[FOOD] 6 Monate vegan Teil 2 – Was landet auf meinem Teller

 

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© Natalia Klenova

6 Monate vegan Teil 2 – Was landet auf meinem Teller

Herzlich willkommen zum 2. Teil meiner „Vegan-Reihe“. Sehr häufig werde ich gefragt, was ich denn nun eigentlich noch esse. Bleibt ja nur noch Grünzeug! Und das man ja dann garnichts Süßes mehr essen kann. Heute gehe ich also zum Teil darauf ein, was ich mir so zuhause zubereite, wie meine Familie das „übersteht“ und was ich unterwegs mache.

Morgens frühstücke ich meist veganes Granola – hier muss man echt aufpassen, weil in sehr vielen Frühstückcerealien nicht nur Milchpulver oder Vollmilchschokolade drin ist, nein auch enorm viel weißer Haushaltszucker! Da ich versuche mich überwiegend zuckerfrei zu ernähren, was extrem gut klappt, wenn man sowieso vegan isst, muss ich fast nicht darauf achten. Mittlerweile habe ich meine zwei liebsten Müslis gefunden. dazu zwei Esslöffel Chia Samen, manchmal Canihuana Flocken oder Reisproteinpulver. Dazu gibt es dann Quinoa/Reismilch. Ich habe wirklich viel durchprobiert, welchen Milchersatz ich nehmen konnte und musste da auch sehr ausdauernd sein. Die erste 10 Sorten Reismilch waren für mich persönlich ungenießbar, aber die Quinoa-Reismilch ist unglaublich lecker! Nie wieder ohne! Achso, der obligatorische Apfel darf morgens übrigens grundsätzlich nicht fehlen!

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Zu Mittag backe ich mir sehr sehr gerne unterschiedliches Gemüse im Ofen, manchmal mit vorgekochten Linsen (ein Traum!!) oder mit ein paar Nudeln. In diesem Fall normale helle Weizennudeln, weil diese vom Abendessen übrig waren, aber sehr häufig braune Reisnudeln. Die haben schön biss und werden nicht so matschig wie normale Reisnudeln. Ich habe meist so eine Phase in der ich nur Brokkoli esse oder nur Wirsing, Blumenkohl, Fenchel usw. Sehr gerne gebe ich darüber auch noch rote Zwiebelringe! Als Topping dient eine Cashewsoße. Hier mische ich je nachdem wieviel ich im Ofen überbacken möchte, ein Esslöffel  Cashewmuß oder Cashewcreme, 1 Tl Zwiebelpulver, 1 Esslöffel Hefeflocken (Vitamin B12 Ersatz und mega lecker) und etwas Salz mit Wasser und gebe es dann über die Mischung. Darüber kommt der „Pseudokäse“ aka Pizzaschmelz. Der von Wilmersburger ist für mich auch der leckerste (siehe ein Bild weiter unten). Alle anderen davor waren für meinen Geschmack scheußlich! Ich variiere also immer mit Gemüsesorten und lasse den Ofen die Arbeit machen. Achso, ganz wichtig, darüber kommt noch Oliven- oder Avocadoöl.

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Für Zwischendurch esse ich übrigens auch sehr gerne Avocado mit einem Spritzer Zitrone und Salz auf Vollkorntoast! Ein Gedicht!

Abends essen wir weiterhin immer noch sehr unterschiedlich. Sahnesoßen mache ich mit Hafersahne. Oftmals gibt es Eintöpfe mit unterschiedlichen Gewürzen, Reis, Bohnen, Kichererbsen. Eigentlich so wie vorher, da wir nie viel Fleisch gegessen haben. Ab und zu kaufe ich auch mal ein veganes Schnitzel. Merke: Es gibt für jedes tierisches Produkt eine vegane Alternative! Auch wenn mein Mann Döner kauft, bringt er mir einen ohne Soße und Fleisch mit. Ich mische mir mit Sojajoghurt meine eigene Soße (ist sogar noch leckerer als die Joghurtsoße vom Dönermann!!). Es ist wirklich nicht kompliziert, aber der Mensch ist ein Gewohnheitstier! Natürlich schmeckt der Käseersatz nicht nach Käse! Aber nun nach 6 Monaten kann ich mich garnicht mehr daran erinnern, wie der „echte“ Käse denn geschmeckt hat und ich freue mich auf meine Ersatzprodukte. Die Hauptzutaten sind und bleiben Gemüse und etwas Obst, Bohnen, Linsen, Kichererbsen, braune Reisnudeln, schwarzer Reis usw..

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© annaileish

Meine Familie macht das sehr gut mit und ich höre mittlerweile viel weniger murren als früher. Wenn mein Mann mal Gyros oder Chilli essen möchte, macht er es sich meist auf Vorrat selbst. Wenn er aber Sonntags mal eine Roulade essen möchte, mach ich ihm diese auch und esse dann selbst einfach gebackenes Gemüse oder Brot mit veganen Aufstrichen (gibt es mega leckere – horizonterweiternd!)

Vegan unterwegs – geht das überhaupt?

Ja, es geht, aber es kostet Übung! Was in Großstädten mittlerweile überhaupt kein Problem mehr ist, ist es dafür auf Dörfern oder kleinen Städten sehr! Vor einiger Zeit gab es auch bei uns ein veganes Restaurant, welches mittlerweile aber wieder geschlossen hat. Das Interesse in Dörfern und Städten ist dafür einfach (noch) nicht so recht da und von 10 Veganern kann ein Restaurant auch nicht leben. Es gehört etwas Übung dazu, aber ich habe sogar in einem griechischen Restaurant etwas veganes bekommen – War dann zwar nur ein Salat mit Essig und Öl, aber es geht und ist dabei auch noch figurschonend. In der Stadt gibt es meist auch die Möglichkeit vegan zu essen. Egal ob es ein Salat ist, ein Fallafelwrap ohne Soße (schmeckt trotzdem sehr gut!), Salate oder wenn es denn unbedingt sein muss Pommes (nachfragen in welchem Fett diese gebacken werden). Auch beim Asia Imbiss bekommt man meist veganes Futter!

Was ich allerdings meistens mache: Ich esse bevor ich das Haus verlasse und wenn ich weiß ich bin länger weg, nehme ich mir einen Riegel mit. Manchmal habe ich auch Bananenbrot portionsweise eingefroren und nehme das mit. Die Möglichkeiten sind da schon gegeben und es schont den Geldbeutel! Außerdem gibt es so viel Fast Food was mich jahrelang immer gelockt hat oder das Stückchen beim Bäcker, obwohl man gar keinen Hunger hat oder vielleicht doch ein Eis. Die Frage stelle ich mir mittlerweile garnicht mehr und kann einfach daran vorbeigehen! Befreiend!

Wie reagiert die Familie und das Umfeld?

Es gibt da so einen schönen Spruch:

„Woran erkennt man einen Veganer? Garnicht, er wird’s dir sagen!“

Leider ist das nicht ganz richtig. Von mir aus würde ich das Thema wohl nicht anschneiden. Aber es geht oftmals ums Essen und spätestens, wenn mir jemand was anbietet, erkläre ich mich natürlich schon gerne und sage nicht einfach „Nein, danke!“ Also kommt von mir: „Ich esse vegan, was ist denn das oder was ist da drin?“ Oder wenn ich schon weiß, da sind tierische Produkte, lehne ich dankend ab und sage auch, dass ich vegan esse. Wenn jemand vorher schon weiß, dass ich seit einiger Zeit vegan esse, kommt das Thema immer wieder seitens der Omnivoren auf den Tisch. Es wird diskutiert was das Zeug hält!

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© grafikplusfoto

Phase 1 – Du isst also gar kein Fleisch?

Weitergehend kommen wir also dazu, dass genau gefragt wird, was denn jetzt überhaupt gegessen werden darf. Wo die Ausnahmen liegen (wir sprechen hier zum Beispiel von Honig?) Die die ein bisschen Ahnung haben, kommen jetzt direkt auf das Thema Rotwein zu sprechen (vielleicht war das ja mal eine Frage beim guten Herrn Jauch), denn dieser muss ja nicht gekennzeichnet werden – hier wird teilweise durch Fischgelantine geklärt.

Phase 2 – Inkonsequenzen finden und aufdecken!

Hier sind wir bspw. wieder beim Honig oder auch bei Medikamenten (z.B. Antibiotika), die ja Konsequent abgelehnt werden müssen, sollten da tierische Produkte enthalten sein. (Leben denn die Schimmelpilze in Penicillin nicht auch? Die Debatte kann sich dann unter Umständen auch über Stunden hinziehen. Für die Omnivoren spaßig, für den vegan essenden nervend.

Phase 3 – Die Frage nach dem Warum?

In der letzten Phase, bevor einer der beiden völlig ausflippt, kommt die klare Frage nach dem Warum! Und hier kann niemand gewinnen! Diese Diskussion ist dann endlos und wird letztendlich dann entweder wegen des zu hohen Alkoholstandes (Prost!) oder wegen kompletter Entnervung beendet.

Und die Moral von der Geschicht? Lasst und essen, nervt uns nicht!

Disclaimer: Der letzte Teil wurde in einer gewissen Ironie niedergeschrieben.

Bevor ich es vergesse. Für die meisten wohl ein sehr wichtiger Punkt: Es gibt durchaus noch Süßigkeiten, die man essen kann! Gummibärchen (stellvertretend für alle Gummisüßkramdinger) gibt es auch zu Auf ohne Gelatine. Kartoffelchips gibts auch genügend ohne Milchzucker. Und Schokolade gibt es auch viele vegane Varianten. Ich esse mittlerweile sogar viel lieber Schokolade als früher. Nach Schokolade wurde mir eigentlich immer schlecht, das ist mittlerweile überhaupt nicht mehr der Fall. Ich esse sehr gerne Reisschokolade mit Mandeln.

Es geht alles und ich betone nochmal: Der Mensch ist ein Gewohnheitstier. Ich habe die ersten 2 Monate zum Beispiel meistens Pancakes zum Frühstück gegessen, weil ich mir einfach nicht vorstellen konnte, dass ein Müsli mit Reismlich schmecken kann. Es ist verrückt, aber heute kann ich mir nicht mehr vorstellen, dass das Müsli mit Kuhmilch schmeckt. Die Ernährungsweisen werden uns von den Medien aufgetischt und solange sich da nichts ändern, werden auch viele nicht umdenken wollen. Wir sind zu sehr daran gewöhnt alles zu haben, Tiere für uns sterben zu lassen. Seit Beginn an musste sich Tiere unterwerfen. Natürlich auch ein Grund, weshalb wir mit unserer Wirtschaft so weit gekommen sind. Hätten uns damals Tiere nicht geholfen schwere Balken zu schleppen oder Waren von A nach B zu schleppen, wären wir sicher nicht da wo wir heute wären. Niemand muss radikal umstellen, es würde ja schon genügen, wenn jeder auf das Billigfleisch, bei dem es sowieso ständig Skandale gibt, verzichtet werden würde und der Fleisch und Fischkonsum minimiert werden würde. Einmal die Woche würde ja schon ausreichen.

Wie denkt ihr darüber?

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2 Comments

  1. Laura
    30. Januar 2017 / 10:25

    Liebe Lisa,

    das hast du echt super geschrieben besonders der ironische Teil 🙂
    Gerade gestern hatte ich dieses Thema wieder auf einem Geburtstag und meine Reaktion als ich gefragt wurde warum vegan:
    Oh bitte nicht ansprechen ich hab keine Lust auf Diskussionen hier in der dann 10 Personen mir aufschwatzen wollen dass es net gut ist.
    Ich hasse es. Ich hasse es so sehr dass ich es meistens garnet erwähne und einfach bestelle und garnix dazu sage wieso weshalb warum.
    Mittlerweile schmeckt mit Kuhmilch überhaut nicht mehr denn schon wenn ich in den Karton rieche muss ich fast brechen ^^ ekelhaft.
    Ich sage aber meistens gerade bei Diskussionen dass ich mich vegan ernähre aber nicht vegan lebe. Ich achte mittlerweile auf tierversuchsfreie und vegane Kosmetik und bin
    sehr überrascht was für grandiose Marken es hier gibt. Paulas Choice, Pixi, Sunday Riley oder Tatta Harper sind nur ein paar davon 🙂 und ich bin froh dass ich nicht mehr auf den konventionellen Scheiß von Douglas reinfalle. Schlechte Inhaltsstoffe – hohe Preise das ist es doch meistens bei diesen ganzen überteurten Marken ala Chanel Dior oder Estee Lauder ( was Pflege angeht).
    Beim Makeup achte ich zwar auch drauf aber ich hab einfach zu viel was ich jetzt nicht einfach wegschmeißen will.
    Wie handhabst du das mittlerweile?
    LG Laura

  2. 28. Januar 2017 / 23:17

    Ich frage bei Veganern (obwohl ich einfach mal behaupte dass ich mich ganz gut auskenne) auch immer nach, wieso, weshalb, warum und was sie noch so essen. Ich erhoffe mir dann immer ein paar Tipps und Ideen, die ich abgucken kann. Ich habe eine Freundin, die isst zum einen aus Überzeugung vegan, zum anderen hat sie aber auch eine Laktoseintoleranz, Glutenunverträglichkeit und noch ein paar Allergien. Bei der bleibt wirklich nicht mehr viel übrig, was sie essen kann und mit Fleisch wäre es wesentlich einfacher für sie. Nachdem ich zwei Wochen veganes Essen ausprobiert habe und mitbekommen habe, wo überall komisches Zeug drin ist, passe ich einfach mehr auf meine Ernährung auf. Warum bitte ist in Chips Milchpulver?

    Ich mag deine ganzen veganen Rezepte, das ein oder andere werde ich auf jeden Fall nachkochen.

    Liebe Grüße
    Andrea

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